Dienstag, 23. Januar 2007

Über das Equipment

Was benötige ich alles, um meine Trekkingtour durchzuführen? Diese Frage tauchte auch schon in einschlägigen Foren auf. Antworten darauf gibt es einige, aber es macht halt jeder seine individuelle Packliste. Also raffte ich erst einmal aus sämtlichen Ecken meine Ausrüstung zusammen und breitete sie vor mir aus. Ich erstellte mir eine Tabelle zur Bestandsaufnahme und wog bei der Gelegenheit gleich alles mit der Küchenwaage. Ein paar Dinge, die ich noch empfohlen bekam, wurden ebenfalls erfasst. Als ich dann jedoch das Gesamtgewicht meines Rucksacks ermittelte, lag ich bei über 21 Kilogramm. Eindeutig zu viel für zwei Wochen Schottland, meine Bandscheibe und meine armen Füße.
Zufällig stieß ich dann im Internet auf Stefan Dapprichs kleines Büchlein Trekking Ultraleicht aus der wunderbaren Outdoor-Ratgeber-Serie, welches ich mir gleich bestellte. Diese Investition hat sich definitiv gelohnt, denn man wird etwas dafür sensibilisiert unnötige Dinge zu erkennen und das Gepäck auf das wirklich Nötige zu reduzieren, ohne Komfort einzubüßen. Ein paar nette Tipps für (ultra) leichte Alternativen, die man sich teils sogar selbst anfertigen kann, werden ebenfalls vorgestellt. Ohne wirklich viel extra investieren zu müssen konnte ich mein Rucksackgewicht inzwischen um über vier Kilogramm reduzieren!

Auf was wollte (oder sollte) ich nun beim Equipment achten?

Dies hier spiegelt natürlich nur meine ganz persönliche Meinung wider, die aber wenigstens zu einem Teil auf eigenen Erfahrungen beruht. Allerdings nehme ich davon Abstand, dies als allgemeingültig zu betrachten. Sollte also jemand anderer Meinung sein, so nehme ich das gerne in Form von Tipps und gut gemeinten Ratschlägen an.
  • Zelt - Als Solotrekker empfiehlt sich echt ein kleines Leichtzelt, das je nach Geldbeutel zwischen etwa 100,- und 260,- Euro liegen kann (oder natürlich mehr, wenn man sich Hilleberg und Co. leisten kann). Wichtig ist auf neben dem geringen Gewicht (+/- 2 kg) und Packmaß meines Erachtens die entsprechend hohe Wassersäule des Zeltbodens und idealerweise das Vorhandensein einer Apsis, in der man evtl. den Rucksack belassen kann und die nassen, bzw. dreckigen Schuhe. Bei schlechtem Wetter kann man auch in der Apsis kochen. Solche Zelte gibt es beispielsweise von Four Seasons (Thunder Bay), Nordisk (Pasch), Jack Wolfskin (Grossamer/Weight Watcher/Last Ressort I), Wechsel (Pathfinder), VauDe (Hogan Ultralight) oder auch The North Face (Solo). Ich selbst bevorzugte das Weight Watcher RT von Jack Wolfskin. Das liegt zwar am oberen Ende der Gewichtsskala für leichte Solozelte, aber dafür hat man auch noch einigermaßen Platz und eine noch relativ geräumige Apsis, um längere Regenzeiten einigermaßen gemütlich zu überstehen. Bin ich nicht alleine unterwegs, dann verwende ich übrigens ein 2-3 Personen Tunnelzelt von Big Pack, welches auf zwei Rucksäcke aufgeteilt dann auch nicht schwerer als ein Solozelt ist. Natürlich gäbe es auch hier eine ultraleicht-Alternative, aber ich liebe mein Tunnelzelt und es war einst auch nicht billig...
  • Als Isomatte hat sich bei mir schon seit Jahren Therm-a-Rest bewährt. Die klassische selbstaufblasende Isomatte mit dem für das kleine Packmaß und Gewicht doch recht hohen Liegekomfort. Mittlerweile gibt es von dieser Matte recht viele Variationen für alle Bedürfnisse. Übrigens legen manche eine Rettungsdecke unter die Matte. Das erhöht mit einem geringen Gewicht die Wärmeisolierung.
  • Mein Schlafsack ist ein älterer Salewa Mont Blanc, der mit Hollofill II gefüllt als 2-3 Jahreszeiten-Schlafsack dient. Durch ein Fleece-Inlet wäre die Komforttemperatur noch bis um etwa 5°C zu steigern, damit ich auch gut durch das kühlere Spätjahr komme. Allerdings gibt es heute wesentlich leichtere Schlafsäcke mit mehr Komfort. Hohe Qualität haben zum Beispiel Daunenschlafsäcke. Allerdings kann die Daunenfüllung leichter Feuchtig aufnehmen, trocknet langsam und ist verhänismäßig teuer. Letztendlich ist die Wahl aber Geschmackssache. Ich werde mich demnächst mal im Fachhandel beraten lassen. Wer eine Orientierung sucht, der kann sich zum Beispiel auch mal die hier verlinkte Schlafsack-FAQ durchlesen.
  • Der Regenponcho sollte seitlich knöpfbar sein und vielleicht hinten über eine Rucksackerweiterung verfügen. Im Idealfall hat er am Rand sogar Ösen. Während des Laufens hält man mit diesem Poncho sich und sein Gepäck trocken und spart die zusätzliche Regenhülle für den Rucksack. Wenn das Zelt aufgebaut ist, kann man den Poncho aufknöpfen und als Tarp benutzen. Hierzu benötigt man dann:
  • Trekkingstöcke. Für lange Treks mit Rucksack zur Entlastung von Rücken und Beingelenken eh sehr zu empfehlen, unterstützen sie auch in unwegsamen Gelände, sind gut zum Vortasten bei Wasserdurchquerungen und weichem Untergrund. Und im Lager kann man sie z.B. noch als Tarpstangen verwenden. Es gibt sowohl Alu-Einsteigerstöcke, wie die klassischen Leki, oder Komperdell, als auch echte Highendstöcke aus Carbon. Tipps zur Auswahl der richtigen Stöcke findet man zum Beispiel HIER. Ein Outdoor-Magazin-Preistipp wären die Leki Classic.
  • Kleidung nach dem Zwiebelprinzip wählen. Funktionsunterwäsche ist leicht, transportiert den Schweiß vom Körper weg und trocknet schnell. Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis findet man z.B. bei der Schiesser Active Balance, oder Hydro- Serie Darüber eine wärmende Schicht, evtl. sogar lange (Ski-) Unterhosen (Schiesser Thermo), da Wind und Regen herunterkühlen. Oben z.B. Fleecepulli. Darüber windstoppende Kleidung. Ich bevorzuge Zipphosen und habe eine ungefütterte Goretex-Jacke von Salewa, die ich aber mit dem entsprechend dicken Fleece darunter schon im tiefsten Schnee trug, ohne zu frieren. Als Kopfbedeckung genügt mir normalerweise eine Baseballcap. Allerdings habe ich 2004 auf einem Trip in einem windigen und teils regnerischen Nordirland die Nachteile einer solchen Cap kennengelernt. Wenn der Wind ständig um die Ohren bläst, kann das im schlimmsten Fall sogar schmerzhaft werden. Ganz davon abgesehen, dass das Sonnenschild der Baseballcap ein wunderbarer Windfang ist und sich bei einer Böe durchaus die ganze Kappe verabschieden kann. Mittlerweile trage ich gerne eine Fleecekappe, die ich mir auch mal über die Ohren ziehen kann. Da über den Kopf viel Wärme verloren geht, ist eine entsprechende Kopfbedeckung auf alle Fälle ratsam. Um dem ärgsten Regen standzuhalten ist der bereits oben erwähnte Poncho und Outdoorgamaschen, oder eine Regenhose im Gepäck. An meinen Füßen sorgen CoolMax-Socken unter den stabilen halbhohen Wanderstiefeln (Meindl, Kategorie A/B) für das richtige Klima. Da dieses Material ebenfalls schnelltrocknend ist, benötigt man nicht viel Wäsche zum Wechseln, sondern macht regelmäßig Handwäsche und trocknet nach Möglichkeit über Nacht.
  • Mein Rucksack Jack Wolfskin KATMAI II ist auch schon ein älteres Modell eines Innengestellrucksacks, aber er tuts. Wenn ich mich recht entsinne, dann hat er 55+10 Liter. Einige würden für zwei Wochen Trekking sogar eher zwischen 65 und 75 Liter wählen, aber bisher kam ich rum.
    Das Bodenfach des KATMAI II ist lediglich durch einen Schnurzug vom Hauptfach getrennt, sodass man den Innenraum auch vergrößern kann. Das Fanny Pack hat die klassische Innen- und Außentasche. Sonst sind keine weiteren Taschen am Rucksack. Dafür habe ich separate Seitentaschen, die ich bei Bedarf anbringe. Über Beckengurt und Tragesystem kann ich nichts negatives sagen, habe aber auch nicht viel Vergleichmöglichkeit, aber wenn ich mal groß bin und viel Geld verdiene, könnte evtl. schon der eine oder andere Bestandteil meiner Ausrüstung etwas Höherwertigem weichen.
  • Die Campingküche sollte bei möglichst wenig Platz und Gewicht möglichst vielseitig sein. Ultraleicht-Verfechter sind hierbei recht minimalistisch und bauen sich schon mal einen Spirituskocher aus Getränkedosen. Anleitungen hierzu findet man im Netz einige. Ich werde einen solchen Kocher irgendwann auch zu basteln versuchen, aber bis dahin habe ich einen Trangia Spirituskocher und neben meinem alten Gaskocher noch einen Primus Multifuel. Dieser Kocher ist mit Gas-Schraubkartuschen ebenso zu betreiben, wie mit einer Brennstoff-Flasche voller bleifreiem Benzin, Petroleum und notfalls sogar Diesel. Holt man sich noch einen Stechkartuschenadapter dazu, dann ist man eigentlich für alle Eventualitäten gerüstet. Lt. Auskunft eines Trekkers soll es aber in Schottland kein Problem sein, Schraubkartuschen zu bekommen. Gas ist die sauberste und einfachste Alternative zum Kochen. Der Windschutz aus dünnem Alublech, welcher zum Lieferumfang des Primus gehört, wurde duch einen noch leichteren Windschutz aus Alufolie ersetzt. Zu dem Kocher kommt bei mir ein dreiteiliges U.S. Alu-Topfset, bestehend aus zwei Töpfen und einem Deckel, der auch als Pfanne, Schneidunterlage oder Teller Verwendung findet. Dieses Set habe ich mir vor Jahren in einem dieser Militärausrüstungsläden gekauft. Dem Gewichtsvergleich mit gleichwertigen Outdoormodellen aus dem Katalog hält das Set locker stand. Leichter als Alu wäre nur noch Titan, aber Alu hat den besseren Wärmeleitwert, was beim Kochen von Vorteil ist. Das Besteck besteht aus einem Opinel mit rostfreier Klinge (erheblich leichter als Herbertz oder Buck Knifes) und einem "Foon" von GSI, einer Kombination aus Löffel mit den Zinken einer Gabel. Als Becher verwende ich ein leichtes Berghaferl, welches neben Getränken auch gut für Müsli ist. Gewürze kann man zum Beispiel in Filmdosen aufbewahren. Ach ja, ein kleines Letherman Tool ist auch dabei. Die Zange kann man immer mal gebrauchen. Ansonsten ist unter anderem auch ein Dosenöffner dran, falls man zwischendurch mal was zum Kochen eingekauft haben sollte. Das ganze Kleinzeug meiner Campingküche wird auf Tour im Topfset aufbewahrt und die ganze Verpflegung in einem leichten Netzbeutel verstaut, damit man nicht im ganzen Rucksack herumwühlen muss.
  • Sonstige Ausrüstung kann ein ganzer Haufen Kleinkram sein, vieles davon vielleicht nicht unbedingt nötig, manches aber sinnvoll. So zum Beispiel ein paar leichte Badelatschen, oder bei Bedarf Trekkingsandalen, um abends aus den Wanderschuhen raus zu kommen, oder mal schnell aus dem Zelt rauszukommen. Auch für Campingplatzduschen vielleicht ganz ok. Badelatschen sind sicherlich die günstigere und sogar leichtere Alternative. Ich habe aber bereits recht lange Trekkingsandalen und bin generell zufrieden damit.
  • Dann habe ich auch noch einen Packsack, in dem während der Tour loses Zeug verstaut wird. Mit einem kleinen Karabinerhaken kann ich die Schnur an der Unterseite des Packsacks einhaken und mir den Beutel so umhängen. Gut für kleine Einkäufe etc.
  • Anfangs bin ich immer mit meiner SIGG Flasche losgezogen, aber wesentlich leichter und komfortabler sind die Platypus Trinkbeutel, die man leer einfach zusammenrollen kann. Es gibt von Platypus sogar ein Trinksystem mit Schlauch, wenn mans braucht. Vorteil des sogenannten Platypus Hoser ist die Möglichkeit zu trinken, ohne eine Flasche aus dem Rucksack holen zu müssen. Verstaut wird der gefüllte Wassersack hierbei im FunnyPack. Ich persönlich finde das sehr angenehm.
  • Eine Lampe ist ebenfalls ein erforderliches Utensil. Ich habe eine Multifunktions-LED, die ich mit einem Haken ins Zelt hängen kann, oder mit einem Clip irgendwo anstecken kann. Hat man nun noch ein Band, das man sich um den Kopf wickelt (z.B. Packriemen), dann kann man die Lampe auch daran festclippen und hat eine Stirnlampe. LED ist dabei super hell und sparsam im Verbrauch.
  • Ein Reparaturset, das aus Nadel und Faden besteht, sowie Flicken und Kleber für die Isomatte, Reparaturhülse für das Zelt, Draht, Nylonfaden und Tape kann für kleinere Reparaturen unterwegs ganz nützlich sein.
  • Zusätzliche Heringe und Abspannseile benötige ich für den Fall, dass ich den Regenponcho als Tarp verwenden möchte.
  • Eine kleine Reise-Erste-Hilfe-Tasche für unterwegs, in welche zusätzlich zu dem Standardinhalt noch Fußbalsam, Aspirin, Halsbonbons, Imodium Akut, eine Zeckenzange und vorort gekauftes Mückenmittel gepackt werden. Dazu ggf. Magnesium und Kalium in Depotform.
  • Natürlich habe ich auch einen kleinen Kulturbeutel mit Hygieneartikeln. Im Drogeriemarkt gibt es einiges in Probepacks, das von der Größe her ideal für unterwegs ist. Hinzu kommt ein Waschlappen und ein Handtuch aus schnell trocknender Microfaser, eine Bürste, ein kleiner Metallspiegel, Nagelknipser und eine kleine Bürste für die Schuhe.
  • Ganz wichtig für einen Urlaub ist auch eine Fotoausrüstung. Ob Kompakt, Spiegelreflex oder Digital ist immer auch Geschmacksache. Ich habe habe eine Canon EOS 300, welche ich mir vor einigen Jahren extra für Rucksackurlaub kaufte, da sie für eine Spiegelreflex noch relativ leicht und klein ist. Die Qualität heutiger Digitalkameras ist allerdings schon so gut, dass man sie wegen ihrer geringen Größe und Gewicht durchaus vorziehen kann. Auch der Stromverbrauch ist erheblich nach unten gegangen. Wenn ich mir da meine Rollei 2 Megapixel-Kamera anschaue, die hat innerhalb kürzester Zeit die Batterien geleert und häufiger unscharfe Bilder, wenn man freihand fotografiert. Hiermit komme ich auch gleich zum nächsten Utensil, nämlich dem Stativ. Gerade bei Solotouren möchte man ja vielleicht auch mal ein Foto mit Selbstauslöser machen. Ich habe mir seinerzeit ein Reisestativ von Hama gekauft. Noch kleiner und leichter wäre aber ein Tischstativ.
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