Montag, 15. Februar 2010

Der Alpenrhein

Als Alpenrhein bezeichnet man den Rhein von den Zusammenflüssen des Vorder- und Hinterrheins bis zu der Mündung am Bodensee. Über 90 Kilometer fließt er durch die Schweizer Kantone Sankt Gallen und Graubünden, vorbei am Fürstentum Liechtenstein und dem zu Österreich gehörenden Vorarlberger Land. Er ist der größte "Gebirgsbach" Europas.
In seiner Vergangenheit hat er sehr häufig die Existenz seiner Anwohner bedroht, weshalb nach 70jähriger Verhandlungsdauer Ende des 19. Jahrhunderts das Österreichische Kaiserhaus und die Schweizer Eidgenossenschaft einen Staatsvertrag zur gemeinsamen Rheinregulierung beschlossen haben. 1895 wurde darauf hin mit dem Bau des “Fussacher Durchstichs” begonnen, der einen direkteren und damit schnelleren Abfluss in den Bodensee ermöglichte. 1923 wurde dann durch den “Diepoldsauer Durchstich” eine weitere Strecke abgekürzt. In den 70er Jahren hat man dann als letzten Bauabschnitt mit der sogenannten "Rheinvorstreckung" in den Bodensee begonnen. Ziel soll es sein, die Bucht vor ihrer Verlandung zu schützen, da der nun schneller fließende Alpenrhein natürlich mehr Geschiebe transportiert. Dieses Geschiebe soll möglichst tief in den See abtransportiert werden. Prognosen sagen aber voraus, dass dies das Verlanden letztendlich nur verlangsamt.
Im kanalisierten Abschnitt hat inzwischen eine massive Vertiefung des Flussbettes stattgefunden, die zu zahlreichen ökologischen Problemen führte. Inzwischen hat ein Umdenken stattgefunden. In der Internationalen Regierungskommission Alpenrhein (IRKA) und der Internationalen Rheinregulierung (IRR) sind alle Anrheinerländer des Alpenrheins vertreten. Mit dem Projekt "Zukunft Alpenrhein" ist 2005 ein Konzept verabschiedet worden, das eine Verbesserung und Entwicklung des Lebens- und Wirtschaftsraums im Alpenrheintal unter Beachtung des Hochwasserschutzes zum Ziel hat. Renaturierungsmassnahmen sollen das Ökosystem Alpenrhein wiederherstellen, was beispielsweise bei der umgestalteten Mündung des Liechtensteiner Binnenkanals bei Ruggell im Fürstentum Liechtenstein bereits zu sehr erfreulichen Ergebnissen geführt hat. Hierüber kann man auch bei "Lebendiger Rhein" nachlesen. Andere Projekte waren auch schon erfolgreich und weitere Massnahmen sind noch für die Zukunft geplant. Leider werden manche Entscheidungen nicht zügig genug getroffen. Aus diesem Grund haben fünf lokale Umweltorganisationen im März letzten Jahres die Online-Petition Hochwasserschutz am Alpenrhein ins Leben gerufen, zu deren Unterschrift ich anregen möchte.
Trotzdem ist "Zukunft Alpenrhein" ein Projekt, das man auch in anderen Regionen zum Vorbild nehmen könnte, wie ich finde.

Eine 45 minütige Dokumentation über den Alpenrhein gibt es übrigens auch. Sie heißt "Der gefesselte Strom" und kann online unter dem Link angeschaut werden. Eine kleine Vorschau gibt es hier:


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